Achillessehne: Beschwerden erfolgreich behandeln

Die Achillesferse

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Die Achillessehne ist die stärkste Sehne des Menschen und zugleich bei vielen die sprichwörtliche Achillesferse. Sie überträgt die Kraft der Wadenmuskulatur auf den Fuß: beim Laufen, Springen, wenn wir den Fuß abrollen… Mit jedem Schritt muss sie ein Mehrfaches des Körpergewichts auffangen. Was tun bei Achillessehnenbeschwerden? Keinesfalls ignorieren, so der Rat von Carsten Lueg.

Wir sprachen mit unserem Orthopäden und Sportmediziner über Symptome, Ursachen und moderne Behandlungsstrategien.

 

Mit welchen Beschwerden kommen die Patienten zu Ihnen?

Carsten Lueg: Das sind zum einen akute Entzündungen. In diesen Fällen ist in der Regel das Gleitgewebe um die Sehne betroffen. Häufig sind auch chronische Entzündungen. Dann verändern sich die Kollagenfasern. Das ist ein Zeichen von Degeneration. Die Sehne wird also immer schwächer. Dies ist oft ein schleichender Prozess als Folge unzureichend behandelter akuter Beschwerden. Deshalb gilt: Warnsignale immer ernst nehmen.

Mit welchen Warnsignalen macht sich die Achillessehne bemerkbar?

Carsten Lueg: Typische Symptome sind unter anderem Schwellungen, Rötungen, Erwärmung und Druckschmerz im Bereich der Ferse und des Rückfußes. Je nach Verletzung bzw. Stadium haben Betroffene außerdem Schmerzen nach oder bei Belastung, Anlaufschmerzen bis hin zum Dauerschmerz.

Warum haben so viele Menschen Probleme mit der Achillessehne?

Carsten Lueg: Meist ist es eine Kombination aus vielen Faktoren. Neben Fehl- und Überbelastungen, etwa durch Training oder falsches Schuhwerk, sind das unter anderem Achsenabweichungen, muskuläre Dysbalancen, Haglund-Exostose oder einsprossende Blutgefäße. Auch Risikofaktoren spielen eine Rolle, zum Beispiel die Veranlagung, Übergewicht, Diabetes oder Chinolonantibiotika. Und natürlich das Alter.

Spielen diese Faktoren auch für die Behandlung eine Rolle?

Carsten Lueg: Ja, denn nur, wenn man auch an die Ursachen geht, kann man nachhaltig behandeln. Dazu ist eine genaue Diagnose unabdingbar. Ergänzend zum ausführlichen Gespräch und körperlicher Untersuchung gehe ich zum Beispiel mit Ultraschall, Röntgen, statischen Vermessungen, Laufbandanalysen sowie biomechanischen Untersuchungen auf Spurensuche.

Und wie behandeln Sie die Achillessehne dann?

Carsten Lueg Stoßwellenbehandlung bei Achillessehnenbeschwerden

„Mein Ziel ist es, die individuell optimale Therapie zusammenzustellen.“

Carsten Lueg: Viele Beschwerden an der Achillessehne können gut konservativ behandelt werden. Dabei gibt es eine Vielzahl von Therapieformen, die ich einzeln oder in Kombination auf das jeweilige Beschwerdebild abstimme.

Sehr gute Erfolge lassen sich in vielen Fällen zum Beispiel mit fokussierter Stoßwellentherapie erzielen. Damit gelingt bei 60 bis 80 Prozent der Patienten Schmerzlinderung oder auch die komplette Besserung. Haupteinsatz bei mir ist die chronische Achillodynie in Kombination mit dem Fersensporn und Triggerpunktbehandlung.

Eine wichtige Rolle bei Achillessehnenbeschwerden spielt zudem das exzentrische Training zur Dehnung und Kräftigung. Das setze ich häufig in Kombination mit der radialen Stoßwelle ein.

Gute Erfahrungen mache ich darüber hinaus mit ACP, einer Art Eigenblutbehandlung, und je nach Indikation auch Hyaluronsäure.

Wichtig ist die ganzheitliche Behandlung bzw. Therapie, also auch mit Blick auf Begleiterkrankungen wie zum Beispiel Diabetes oder hinsichtlich einer Trainingsanpassung.

Konservative Behandlung bei Achillessehnenbeschwerden

  • Physikalische Behandlungsansätze: z. B. PECH Schema, Kältetherapie, Wärmepackungen, Einlagen, Kinesiotape, Physiotherapie mit Querfriktion, Ultraschall
  • Exzentrisches Training: spezielles Dehnungs-/Krafttraining
  • Stoßwellentherapie: fokussierte oder radiale Stoßwelle (in Kombination mit exzentrischem Krafttraining)
  • Triggerpunktbehandlung
  • Desensibilisierende Röntgenreizbestrahlung
  • Akupunktur: auch mit Dry Needling (trockenes Nadeln) zur Triggerpunktbehandlung
  • Verschiedene Injektionen: u. a. ACP, Hyaluronsäure, Traumeel, topische Nitroglyzerinanwendungen, Cortison, Neuraltherapie, Mesotherapie
  • Medikamentöse Therapie: u. a. Wobenzym, NSAR, Schmerzmedikamente, Nahrungsergänzungsmittel

Und in welchen Fällen raten Sie zur Operation der Achillessehne?

Carsten Lueg: Wenn man mit konservativen Methoden nicht weiterkommt, kann eine Operation der Achillessehne angebracht sein. So zum Beispiel die Entfernung einer Haglund-Exostose, von Verkalkungen oder entzündeten Schleimbeuteln. Aber das muss individuell entschieden werden.

„Mein Ziel ist es, die individuell optimale Therapie zusammenzustellen.“

Unser Interviewpartner – Carsten Lueg – ist Orthopäde, Sporttraumatologe, Sportmediziner und Arzt für Prävention. Er betreut regelmäßig Spitzen- und Vereinssportler.