Reizdarmsyndrom: Linderung durch Ernährung

Wenn die Verdauung verrückt spielt

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Bauchschmerzen, Krämpfe, Durchfall, Blähungen, Verstopfung… Wenn der Darm dauerhaft verrückt spielt, kann das Leben zur Qual werden. Das Reizdarmsyndrom (RDS) ist zwar aus medizinischer Sicht harmlos, aber das ist für Betroffene zuweilen ein schwacher Trost. Erst recht, wenn dann noch suggeriert wird, es sei rein psychisch bzw. „eingebildet“.

Reizdarmsyndrom ist keine Einbildung

Zunächst gilt festzustellen: Das Reizdarmsyndrom (RDS) ist keine eingebildete Erkrankung, sondern eine organische. Das ist hinreichend belegt. Es bedeutet, es liegt eine Störung im Darm vor. Und die peinigende Empfindsamkeit der Verdauungsorgane hat viel mit unserem Essen zu tun. Auch das ist sicher.

Was läuft schief im Reizdarm?

Die Ursachen sind zwar noch nicht abschließend geklärt. Man ist jedoch einer Reihe von Auslösern auf der Spur. Der Darm mit seinen rund 100 Billionen Bakterien und 100 Millionen Nerven ist ein sehr komplexes und empfindliches System.

Bei Reizdarm Patienten findet man zahlreiche Störungen im Darm, unter anderem: Veränderungen in der Darmflora (Mikrobiom), im Immunsystem, im Nervensystem (veränderte Reiz- und Schmerzwahrnehmung) sowie entzündliche Prozesse. Bei etwa 30% der Betroffenen ist das Reizdarmsyndrom (RDS) postinfektiös, also Folge einer vorangegangenen Infektion, insbesondere wenn sie mit Antibiotika bekämpft wurde.

Symptombasierte Ausschlussdiagnose

Voraussetzung für die Diagnose RDS ist eine Magen-Darm-Spiegelung zum Ausschluss anderer, ernster Ursachen, zum Beispiel Gastritis, Magengeschwüre oder Krebs.

Nach den aktuellen ROM-IV Kriterien liegt ein Reidzarmsyndrom vor, wenn folgende Merkmale in den vorangegangenen 3 Monaten erfüllt sind:

  • wiederkehrende Bauchschmerzen (mindestens 1 x pro Woche) assoziiert mit mindestens 2 der 3 folgenden Faktoren:
    • Defäkation (Stuhlentleerung)
    • Veränderung der Stuhlfrequenz
    • Änderung der Stuhlkonsistenz.
  • Dabei müssen die Beschwerden insgesamt seit mindestens 6 Monaten bestehen.

Das Reizdarmsyndrom ist sehr vielgestaltig.

Ernährung bei Reizdarmsyndrom: kein Standardrezept

Viele Reizdarm Patienten haben nahrungsbedingte Beschwerden. Für eine nachhaltige Linderung ist eine individuelle und fachärztliche begleitete Ernährungstherapie angeraten.

Zunächst einmal muss man herausfinden, welche Lebensmittel welche Beschwerden verursachen und was einem gut tut. Hilfreich ist ein Ernährungstagebuch. Anhand dessen können wir schrittweise eine individuelle, angepasste Ernährung erarbeiten. Eine Standardtherapie gibt es nicht.

Zu den Leitlinien-empfohlenen Ernährungsstrategien gehört die FODMAP-reduzierte Nahrung, denn Betroffene reagieren oft auf bestimmte zuckerartige Verbindungen sehr empfindlich. Auch Weizenprodukte oder Gluten können Beschwerden auslösen.

FODMAP

FODMAP bedeutet: nicht resorbierbare Fermentierbare Oligo-, Di- und Monosaccharide und Polyole.

Das klingt komplizierter als es ist. Gemeint sind vergärbare Mehrfach-, Zweifach- und Einfachzucker sowie mehrwertige Alkohole. Es geht dabei unter anderem um Fructose, Lactose und Zuckeralkohole wie Sorbitol.

Diese finden sich in vielen Lebensmitteln und werden im Dünndarm nur schlecht resorbiert: Sie werden durch die Darmwand nur unzureichend vom Blut aufgenommen. Die Reste wandern dann in den Dickdarm, wo sie von Bakterien fermentiert, also vergoren werden. Das führt zu Gasansammlungen, die Bauchschmerzen bereiten.

Studien mit Reizdarm-Patienten haben gezeigt, dass eine FODMAPs-arme Ernährung die Symptome deutlich lindert.

Mehr Infos über FODMAPs: https://www.fodmaps.de

Patienten profitieren zudem von einer Therapie nach F.X. Mayr (Mayr-Medizin), einer ärztlich geführten Intervention zur Entgiftung des Körpers und zur Heilung eines überforderten, gereizten Darms. Eine Darmsanierung kann nach entsprechender Diagnostik mit Prä- und Probiotika unterstützt werden.

Begleitende Maßnahmen bei Reizdarmsyndrom

Begleitende Maßnahmen beinhalten unter anderem

  • Beratung zum Lebensstil
  • Bewegung
  • Stressmanagement bzw. Entspannung.

Die Psyche ist zwar nicht Ursache des Reizdarmsyndroms. Aber psychische Faktoren spielen auch eine Rolle. Das Gehirn und der Darm sind sehr eng miteinander verbunden. Wir alle wissen, dass einem buchstäblich etwas auf den Magen schlagen kann.

„Die Ernährung ist eine wichtige Zutat für einen gesunden Darm.“

Unser Autor – Dr. med. Martin Kranich – ist unter anderem Ernährungsmediziner und diplomierter F.X.-Mayr-Arzt im Prävent Centrum.